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Experteninterview

Krampfadern in der Schwangerschaft

Krampfadern in der Schwangerschaft

Viele schwangere Frauen leiden unter Krampfadern in der Schwangerschaft. Wir haben Prof. Dr. Dr. Stefan Hillejan, Experte für Venenheilkunde und medizinischer Leiter der privatärztlichen Praxisklinik für Venen- und Enddarmerkrankungen in Hannover, die wichtigsten Fragen rund um das Thema Krampfadern in der Schwangerschaft gestellt.

Prof. Dr. Dr. Hillejan
Prof. Dr. Dr. Hillejan bewantwortet Fragen zu Krampfadern in der Schwangerschaft

Wieso leiden eigentlich so viele werdende Mütter an Krampfadern in der Schwangerschaft?

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Prof. Dr. Dr. Hillejan: „In der Schwangerschaft kommen verschiedene Faktoren zusammen, die Krampfadern begünstigen. Zum einen müssen die Gefäße ungefähr 20 Prozent mehr Blut transportieren. Zum anderen produziert der Körper in dieser Zeit ein Hormon namens Progesteron. Dieses führt zu dehnbarem Bindegewebe, damit Bauch und Gebärmutter wachsen können. Allerdings erweitert das Hormon auch die Venen und somit die Venenklappen. Der Transport von sauerstoffarmem Blut zurück zum Herzen fällt dem Körper dadurch schwerer, was einen Blutstau und somit Krampfadern begünstigt. Zusätzlich drückt das heranwachsende Kind auf die Blutwege Richtung Bein, wodurch der Blutfluss gestört wird.“

Zu welchem Zeitpunkt kommt es verstärkt zu Krampfadern in der Schwangerschaft? Oder hat die Bildung von Krampfadern mit dem Zeitpunkt der Schwangerschaft gar nichts zu tun?

Prof. Dr. Dr. Hillejan: „Ab der neunten Woche beginnt der Körper, Progesteron zu produzieren. Ab diesem Zeitpunkt weiten sich Bindegewebe und Gefäße, weshalb es verstärkt zur Bildung von Krampfadern kommen kann.“

Sind Krampfadern in der Schwangerschaft gefährlich oder einfach „nur“ unangenehm?

Prof. Dr. Dr. Hillejan: „Grundsätzlich besteht bei Krampfadern während einer Schwangerschaft keine direkte Gefahr für die Gesundheit. In der Regel bilden sie sich nach der Entbindung innerhalb mehrerer Monate von selbst zurück. Allerdings sollten Krampfadern in jedem Fall vorsorglich von einem Facharzt für Venenerkrankungen, einem Phlebologen, untersucht werden, damit es nicht zu Verschlechterungen kommt. Unter Umständen entstehen aus unbehandelten Krampfadern Entzündungen der Venen oder schlimmstenfalls eine Thrombose.“

Wir haben unsere Leserinnen gefragt, welche Fragen ihnen zum Thema „Krampfadern in der Schwangerschaft“ unter den Nägeln brennen, und eine Frage haben wir immer wieder gehört: Kann man Krampfadern in der Schwangerschaft vorbeugen?

Prof. Dr. Dr. Hillejan: „Um Krampfadern während einer Schwangerschaft vorzubeugen, rate ich Frauen zum Tragen von Kompressionsstrümpfen. Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat sollten Frauen diese direkt nach dem Aufstehen anziehen. Heutzutage fallen Kompressionsstrümpfe, modisch gesehen, kaum auf. Gleichmäßiger Druck am gesamten Bein unterstützt die Funktion der Venenklappen und fördert damit einen reibungslosen Blutfluss. In fortgeschrittenen Fällen setzen wir Kompressionsverbände zur Linderung von Beschwerden ein. Abgesehen davon verringern Schwangere Risiken durch

regelmäßige Bewegung und morgendliches Kaltduschen der Beine. Des Weiteren hilft es, beide Beine so oft es geht hochzulegen. Dabei sollten sich Frauen leicht auf die linke Körperseite drehen. Durch eine Seitenlage reduziert sich der Druck auf die Hohlvene, die an der rechten Körperseite entlangläuft. Langes Stehen und Überkreuzen der Beine beim Sitzen gilt es zu vermeiden.“

Was kann man machen, wenn man die Krampfadern in der Schwangerschaft schon hat, wenn also alles Vorbeugen nichts gebracht hat? Gibt es Tipps und Tricks, wie man Krampfadern in der Schwangerschaft wieder loswerden kann?

Prof. Dr. Dr. Hillejan: „Direkt während der Schwangerschaft raten wir von einer operativen Behandlung ab, um keine unnötigen Risiken einzugehen. Nach dem Abstillen kann die Behandlung beginnen. Vor dem Eingriff schafft eine genaue Analyse Klarheit über Symptome. Moderne Methoden zeichnen sich als besonders schonend und schmerzarm aus. Bei einer Behandlung mittels Laser entfernen wir etwa unter örtlicher Betäubung Krampfadern, ohne benachbartes Gewebe zu verletzen. Gezielte Lichtstrahlen verschließen die erweiterten Gefäße dauerhaft.“

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Gibt es Risikofaktoren, die Krampfadern in der Schwangerschaft begünstigen?

Prof. Dr. Dr. Hillejan: „Wenig Bewegung, aber auch familiäre Veranlagungen begünstigen Ausbildungen von Krampfadern. Auch sollte dringend der Genuss von Alkohol und Zigaretten vermieden werden, da sich beides nicht nur negativ auf die Venentätigkeit auswirkt, sondern in erheblichem Maße dem Kind schadet. Ebenso rate ich zum Tragen flacher, bequemer Schuhe, damit die Waden- und Schienbeinmuskulatur beansprucht wird und die so genannte natürliche

Venenpumpe in Schwung bleibt. Hohe Absätze verhindern ein Abrollen des Fußes, weshalb Muskelaktivitäten abnehmen und sich somit der Bluttransport erschwert und verlangsamt.“